„Ich wünschte, jemand würde ihn erschießen!“

parker_SchreibendMit 43 Jahren, 1935,  wird Dorothy Parker  noch einmal schwanger. Sie freut sich wie verrückt auf das gemeinsame Baby. Ihre Freunde sehen ihre Verwandlung in eine strickende werdende Mutter, die die Füße hochlegt und sich zurückzieht, sehr skeptisch: Denn das Trinken gibt sie nicht auf.  Die Freunde feixen, dass dieses Kind unbedingt eine Vorliebe für Hochprozentiges haben muss und ab und an mal einen Kaffee im Mutterleib braucht, denn sonst käme es mit dieser Mutter nicht klar … Und dann hat Dorothy eine Fehlgeburt, als die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist. Es ist nicht die erste Fehlgeburt. Doch die Erste, die sie recht gut wegzustecken scheint, da Alan an ihrer Seite ist und sie stützt.

Sie bleiben zusammen.

Das Ende vom Anfang der Ehe mit Alan Campbell

Fox House wird im Frühjahr 1937 fertig. Das gemeinsam erschaffene Refugium, in dem Beide arbeiten und sich erholen, wenn sie nicht gerade in Beverly Hills als Drehbuchschreiber engagiert sind, bleibt lange Zeit ein Rückzugsort.

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Fox House: Der Rückzugsort mit Personal und Verwalter. Drehbücher schreiben für Hollywood. So harmonisch war es wohl selten bei ihnen.

Das einzig Dumme ist, dass Alans kranke Mutter nach einiger Zeit ein Haus in der Nähe des Fox House von Alan erzwingt, da sie seine Hilfe einfordert. Die beiden Frauen können sich nicht ausstehen. Und Dotty schreibt ihrer Schwester einen verzweifelten Brief:

„Ich kann Dir nicht sagen, wie ich das finde. Der Moment, indem sie auftaucht, bedeutet nichts anderes als Ärger und Szenen und Unannehmlichkeit und Störung. […] Ich bin echt geliefert, und Gott weiß, das wird noch viel schlimmer werden. Ach, zum Teufel!“

Aus: Karl, Michaela: Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber, btb 74493, S.170

Es gibt viel Streit, doch zu dieser Zeit ist Alan ihr gegenüber loyal und immer auf ihrer Seite. Trotzdem ist seine Mutter eine riesige Belastung für ihre Ehe.

Dorothys Freunde sterben jung: 1940

Im Jahr 1939  wird Dotty Parker noch einmal schwanger. Dieses Mal tut sie so, als wäre sie es nicht: Sie lebt exzessiv und verliert auch dieses Kind. Sie wird über den erneuten Verlust schwer depressiv. Zum ersten Mal wird der Altersunterschied zwischen Alan und ihr ein echtes Problem. Sie fühlt sich alt und hässlich: Aufgedunsen vom Alkohol, unförmig, ein blasses Gesicht vom Rauchen und zu viele Falten. Sie wird ungerecht, launisch, mißgünstig und grundlos eifersüchtig auf jede jüngere Frau. Alan geht ihr mit seiner Fürsorge und Freundlichkeit schrecklich auf die Nerven. Dotty braucht dringend jemand, dem sie die Schuld für ihr Unglück geben kann – und das ist Alan.  Sie hetzt hinter seinem Rücken bei gemeinsamen Freunden über ihn und auch in der Öffentlichkeit beschämt und drangsaliert sie ihn. Beschimpft ihn als „Schwulen Bock“ und talentlosen Loser. Ihre offizielle Bezeichnung für ihn ist nun „That shit“.  Sie trinkt unmäßig.

Geplatzter Lebenstraum und Depression

Beide halten das aus, was ihre Freunde nicht mehr aushalten: Ihre Beziehungsschlachten.  Im Jahr 1940 entdeckten die Ärzte Tumore in ihrer Gebärmutter und entfernen sie. Dotty scheint erleichtert, dass sDotty_Spruchie sich der Kinderfrage nie mehr stellen muss.

Dann sterben kurze Zeit später mehrere gute Freunde einfach so und sehr jung … Scott Fitzgerald (Alkohol, Herzinfarkt), Nathanael West (Autounfall) … denen sie eng verbunden war. Mit Scott Fitzgerald hatte sie in den vorhergehenden Jahren wohl mehrfach nette Stunden im Bett, die wohl eher verzweifelt einsam motiviert waren. Sie trauert um die Freunde.

Stoische Gelassenheit: Alan Campbell

Alan erträgt ihre Launen, Ungerechtigkeiten und Bösartigkeiten mit stoischer Gelassenheit. Immer noch ist er ein Gutmensch und loyal. Aber das ändert sich allmählich. Dorothy arbeitet daran, sich ihre Unabhängigkeit zu beweisen – es gelingt ihr nicht. Sie ist gescheitert. Ihre Lebensträume sind zerstört.  Aber auch beruflich hat sie nicht den Erfolg, den sie sich immer erhofft hat. Sie beginnt morgens zu trinken und fällt abends mit Cocktails ins Bett. Kaum ansprechbar. Sie schießt sich ab über längere Zeit. Und macht einen Entzug in einer Klinik, die sie schon nach Tagen wieder verlässt und die zermürbende Beziehung geht weiter.

„Was soll ich bein den Anonymen Alkoholikern? Die wollen doch nur, dass ich aufhöre zu trinken!“ (Dorothy Parker)

Im Alkohol-Gefängnis: Dorothy Parker und Alan Campbell

Auch Alan trinkt nun viel mehr – wahrscheinlich, weil er den Druck nicht mehr aushält. Die Wirklichkeit, die Freunde, ihr altes Leben zieht sich zurück. Nun sind sie nur noch sich und dem Alkohol ausgeliefert. Das kann nicht gut gehen.

Und das endet auch nicht gut.

 

 

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