3 Dinge braucht ein guter Mann

Am 7. Juni 1967 stirbt Dorothy Parker an einem Herzinfarkt in ihrem Apartment. Am 9. Juni – also genau heute vor 50 Jahren – wurde sie in einem New Yorker Krematorium eingeäschert. Sie wünschte sich auf ihrem Grabstein die Inschrift „Entschuldigen Sie den Staub.“ Ja, diese Inschrift wäre ihrem Leben gerecht geworden: Meist satirisch, blitzgescheit und weder andere noch sich selbst sehr ernst nehmend. Ernst nahm sie nur ihre Arbeit, mit der sie ständig unzufrieden war.

Wie sie auf Menschen wirkte

Ich glaube, wir können uns nicht vorstellen, wie sie auf Menschen gewirkt hat, diese zierliche, agile, unruhige, saufende (ja, sie war eine schwere Trinkerin, wie fast alle in dieser Zeit) geistreiche, streitende Dorothy Parker, die in jeder Situation einen frechen Spruch parat hatte. Sie war eine Art Leitstern für die literarische Runde im New Yorker Algonquin Hotel, dem „vicious circle“. Dem „bösartigen Kreis“, wie sie sich tauften.

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Hier trafen sich jeden Mittag und oft bis in die frühen Morgenstunden u.a.: Hemingway, Parker, Woolcroft. Harpo Marx, Fitzgerald und seine Frau Zelda, Benchley u.a. Literaten zu ausführlichen Diskussionen mit ausführlichem Alkoholgenuß. Foto: moviebuffq.wordpress.com

Um Dorothy Parker sammelten sich die Geistesgrößen New Yorks der Jahre 1919 – 1929. Jeder Schreiber, Journalist, Autor, Theatermensch, Filmemacher wollte mit an ihrem Tisch sitzen. Sie hatte den Vorsitz. Ihr Wort hatte Gewicht. Ein Satz von ihr – alle schwiegen. Oder lachten. Je nachdem, wie sie gelaunt war.

Biografen schildern sie als sehr hübsch (aber nicht schön), zierlich, immer elegant gekleidet und mit den wahnwitzigsten Hüten auf ihrem dunklen Haar. Hüte mit Obst und Gemüse oder merkwürdigem Aufbau. Sie lebte nach dem Motto: „Lieber einen guten Freund verlieren, als einen guten Witz auslassen“.

Und das bekamen ihr Freunde zu spüren: Mit aller Schärfe schoss sie regelrecht ihre Kommentare ab, die häufig verletzend waren. Doch niemand nahm es ihr wirklich übel. Im Gegenteil: Zur Zielscheibe ihres Spotts zu werden, war so etwas wie eine persönliche Auszeichnung.

Verehrt, geliebt und gehasst

Immer wieder fallen mir Sprüche ein, die mich faszinieren:

Auf einer Party wurde ihr ein Mann vorgestellt, der zu ihr sagte, dass er es hasst, mit dummen Menschen seine Zeit zu verbringen. Damit meinte er wohl sie. Sie antwortete: „Ihre Mutter musste das tun.“

Das ist ein Spruch, der wäre mir zwei Tage nach der unverschämten Ansage dieses Mannes eingefallen. Aber nicht ad hoc. Ja, ihre Beziehungen mit Männern waren spektakulär. Sie waren so schwierig, dass Selbstmord immer eine Option war und sie hat es verdammt oft probiert mit Tabletten und Alkohol. Immer wurde sie kurz vor dem endgültigen Ende gerettet. Sie konnte ihrem Schicksal nicht entkommen.

Mrs. Parker und ihre MännerDorothy Parker Small apartment

Dotty Parker ist nun seit 50 Jahren tot und weltweit eine Legende. Es fällt mir nicht leicht, Dir diese unglaubliche, schwer fassbare Dorothy Parker näher zu bringen. Denn ich blicke selbst noch immer nicht ganz durch, weil ihr Leben, Lieben und Schreiben so chaotisch, so unberechenbar war.

Heute nehme ich mir erst mal ihr Verhältnis zu Männern und zur Liebe vor. Warum? Weil Männer der Mustopf ihres Lebens waren. Und sie stieg nur zu gerne hinein, in diesen klebrigen Pflaumenmustopf, aus dem sie sich manchmal kaum lebendig befreien konnte: Sie war dreimal verheiratet, zweimal mit demselben Mann: Alan Campbell.

3 Dinge braucht ein Mann

  1. Gutes Aussehen
  2. Rücksichtslosigkeit
  3. Dummheit

Nach diesen Kriterien wählte sie unbewusst. Männer, die sie sich aussuchte, besaßen diese drei Eigenschaften – und sie scheiterte an ihnen und mit ihnen. Denn fatalerweise waren es immer die Männer, die ihre Gefühle nicht erwidern und so litt sie … und litt …

„Mein einzig Geliebter,  er ist mein ganzes Herz – und ich wünschte mir, jemand würde ihn erschießen“.  (Complete Poems, Love song)

Ein Satz, der mit ein paar Worten ihre Gespaltenheit zusammenfasst. Ihr Verleger war der Meinung, dass ihre Leidenschaft für das Unglücklichsein keine Grenzen kannte. Stimmt. Darin war sie hartnäckig, im Leiden suchen und finden: eine Masochistin der Liebe.

Lady, lady, should you meet

One whose ways are all discreet,

One who murmurs that his wife

Is the lodestar of his life,

One who keeps assuring you

That he never was untrue,

 Never loved another one …

Lady, lady better run!

(Parker, Complete Poems: „Social note“, New York)

Mehr zum 50. Todestag und ihren Gedichten, die jetzt fein übersetzt in einem kleinen Verlag erschienen sind.

Ihre große Liebe, mit Drehbuchautor Alan Campbell, ihre vernichtenden Jahre und Ehen, die sie zweimal schlossen, ist das Thema des nächsten Artikels. Alan und Dotty

 

 

 

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