Das Baby braucht neue Schuhe!

Es geht die Sage, dass immer dann, wenn absolut kein Dollar mehr vorhanden war, Zelda zu Scott sagte:

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Heute also die Sache mit der Hassliebe und meinen beiden Protagonisten. Ich habe mir lange einen Kopf gemacht, wie ich es Dir am besten schildern soll, in welcher Beziehung sie standen. Das Beste ist, ich zeige Dir Briefausschnitte, jeweils abwechselnd.

Und dann machst Du dir selbst ein Bild …

„Wütend war ich nur darüber, dass er das Mädchen so abscheulich gemacht hat, und ständig wiederholt, sie hätte sein Leben ruiniert, und ich konnte gar nicht anders, als mich mit ihr zu identifizieren.“ (Zeldas Brief aus der Nervenheilanstalt, nach 15 Jahren Ehe)

Scott benutzte, nein, beutete sein Leben und das seiner engsten Freunde für seine Stories aus. Allerdings setzte er die Personen in seinen Geschichten nie 1:1 um, sondern ließ mehrere Personen in einer Person verschmelzen. Doch Zelda fand sich überall wieder.

„Liebstes Herz! Ehrgeiz, Enthusiasmus und Zuversicht, alles ist so wunderbar! Die Welt ist ein Spielfeld. So lange ich mir Deiner Liebe sicher sein kann, ist alles möglich! Ich bin in dem Land von Ehrgeiz und Erfolg und meine ganze Hoffnung und mein Glaube ist es, dass mein Liebling bald wieder bei mir sein wird.“  (Scott an Zelda 1919, vor der Ehe)

Scott war über die Maßen verliebt in Zelda. Und das änderte sich letztlich nicht bis zum Ende seines Lebens: Bei aller Konkurrenz, die sie ihm im Schreiben aufbot, bei allen Kämpfen, schweren Auseinandersetzungen – als Zelda schwer krank wurde, riss er sich den A…. auf, um sie in den besten Kliniken betreuen zu lassen. Viele Jahre lang.

Schreibende Paare

„Ich habe mein Bestes getan und ich habe verloren – es ist eine große Tragödie für mich und ich hab das Gefühl, als gäbe es nur noch wenig, wofür es sich zu leben lohnt. Bis zu dem Tag, an dem sie meine Frau sein wird, werde ich nicht heiraten.“ (Scott nach einer ersten Trennung von Zelda an eine Freundin)

„Darling, Darling. [ …] du kannst dir nicht vorstellen, was dein Ring hier gestern Abend für eine Aufregung verursacht hat. [ …] Alle finden ihn wunderschön und ich bin so stolz, Dein Mädchen zu sein, so stolz darauf, dass nun alle wissen, dass wir uns lieben.“ (Zelda 1920 an Scott, nachdem er endlich „Diesseits vom Paradies an Scribner verkauft hatte. Nun war der Weg frei, ihn zu heiraten.)

Auch Zelda war lange Zeit in ihn verliebt. Bis zum Ende seines Lebens blieben sie verheiratet, obwohl beide von Scheidung sprachen. Tatsächlich wünschten sich beide jedoch immer, dem anderen möge es endlich besser gehen – egal wodurch.

„Es hat nicht den geringsten Zweck mit uns, selbst wenn wir es versuchen wollten, was ich, das versichere ich dir, nicht will – nicht einmal ein bisschen. Wenn ich deine guten Eigenschaften aufliste, finde ich auch nicht eine einzige, auf die man eine mögliche Beziehung gründen könnte, außer deinem guten Aussehen, und das haben Dutzende von Leuten: der Oberkellner im Plaza del Funti und mein Coiffeur in Paris.“ (Zelda 1930 aus der Nervenheilanstalt an Scott).

Während ihrer Aufenthalte in den Heilanstalten gab es teilweise Besuchsverbot. Es sind 110 Briefe erhalten, die sie sich in diesen Zeiten schrieben. Harte Abrechnungen – sie schenkten sich nichts. Zelda war in sehr schlechtem Zustand: Paranoia, Psychosen, Wahnvorstellungen, schwere, entstellende Haustausschläge. Entsetzliche, falsche Therapien (Insulinschocks etc.). Sie muss sehr gelitten haben, beklagte sich aber nie.

„Ich liebe Dich von ganzem Herzen, denn Du bist ja mein Mädchen, und das ist allRuhe bitte-schreibe Novellees, was ich weiß.“

( 1931 von Scott in die Nervenheilanstalt geschickt).

„Sie hat nichts Wesentliches zu sagen. Etwas zu sagen haben bedeutet schlaflose Nächte und Kummer und die unaufhörliche Motivierung eines Themas und dem unaufhörlichen Versuch, der Wahrheit, der Gerechtigkeit auf den Grund zu kommen.“ (Zelda wird von ihm als drittklassige Schriftstellerin bezeichnet. 1933, Nervenheilanstalt.)

„Ich liebe dich auf jeden Fall. – sogar wenn es kein Ich, keine Liebe, kein Leben mehr gibt.“ (Zelda an Scott, 1933, Nervenheilanstalt.)

Scott schrieb an seine Tochter Scottie, weil ihr Verhalten ihn an Zelda erinnerte und er dann in Panik geriet, einen harten Brief:

„Als ich in Deinem Alter war, da hatte ich einen großen Traum. Der Traum entwickelte sich weiter, und ich lernte, davon zu sprechen und die Leute zum Zuhören zu bewegen. Eines Tages aber spaltete sich der Traum – als ich beschloß, Deine Mutter zu heiraten, obwohl ich wußte, dass sie verzogen war und mir nicht gut tun würde. Ich habe es sofort nach der Hochzeit bedauert. [ … ] Sie wollte, dass ich zuviel für SIE arbeitete und nicht genug für meinen Traum. Sie begriff zu spät, dass Arbeit Würde ist, die einzig wahre Würde, und versuchte, dieses Versäumnis durch eigene Arbeit gutzumachen, aber es war schon zu spät, und sie zerbrach und ist für immer zerbrochen. Und es war auch für mich zu spät, diesen Schaden in Ordnung zu bringen … Mein Fehler war es, sie zu heiraten. [ …]

So war das mit den beiden. Ob Liebe oder Hass, eines kann man mit Sicherheit feststellen:

Sie waren verbunden.

 

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4 Gedanken zu “Das Baby braucht neue Schuhe!

  1. Anonymous

    Liebes Gutes Wort,

    mein heißer, sommerlicher Tipp: Schreib einfach mal ein Buch, verkauf es an einen großen Verlag und von den Tantiemen gehen wir Schuhe shoppen!
    Ich versuch das auch schon.

    Irgendwann klappt es.
    Danke für Kommentar :-).

    Gefällt 1 Person

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