Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals …

„Ich muss Ihnen ein Geständnis machen. Ich bin verliebt in zwei Verrückte, die in Abendgarderobe leere Champagnerflaschen die Fifth Avenue hinunterkullern ließen.“ (Michaela Karl)

So beginnt das Buch, dass die unermüdliche und akribisch recherchierende Michaela Karl über Zelda & Scott Fitzgerald geschrieben hat: „Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals“. Einen treffenderen Titel konnte sie nicht finden.

Zu schnell gelebt- zu schnell gestorben

Um es vorwegzunehmen: Scott Fitzgerald starb mit nur 44 Jahren (1896 -1940) am zweiten Herzinfarkt und vor allem am Alkohol. Er war ein schwerer Trinker seit jungen Jahren. Zelda Fitzgerald (1900 – 1948) starb mit 47 Jahren bei einem Brand in einer psychiatrischen Klinik, in der sie immer wieder für längere Zeit stationär aufgenommen wurde. Sie hinterließen eine Tochter, Scottie Fitzgerald (1921 bis 1986), die von wechselnden Nannys großzgezogen und so vor dem seelischen Niedergang  durch ihre Eltern gerettet wurde.

Zehn Jahre Ehe (1920 bis 1930) reichten aus, damit jeder sich selbst und gleichzeitig den Partner ruinierten. Sie zehrten sich von innen nach außen auf – und umgekehrt. Es gab selten ein Paar, dass sich charakterlich und in seinen Eigenschaften so ähnlich waren, wie diese beiden. Es gibt Beziehungen, die sind auf Unterschiedlichkeit begründet. Es gibt andere, die sich auf Ähnlichkeit gründen. Heute weiß die Psychologie, dass die Letzteren eine bessere Chance auf Bestand haben, als die gegensätzlich gestrickten Paare.

10 Jahre für die Vernichtung

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Scott und Zelda, drei Jahre nach ihrer Heirat. Foto: Underwood and Underwood/Corbis.

Scott und Zelda hat es zerstört und ausgelöscht, dass sie sich so verdammt ähnlich waren. Wenn man Glück hat, dann bringt der Lebenspartner in einem selbst die besten Eigenschaften hervor und die schlechten weichen zurück. Doch Scott und Zelda hatten großes Pech: Gegenseitig befeuerten sie ihre schlechtesten Charaktereigenschaften und das taten sie beide mit Leidenschaft. Sie liebten und hassten sich, schlugen und vertrugen sich. Klagten sich an und umarmten sich.

 

„Die Gäste werden gebeten, auf der Suche nach Alkohol keine Türen einzuschlagen, auch wenn der Gastgeber und die Gastgeberin ihnen zuvor die Erlaubnis dazu erteilt haben.“ Regel für die Dauerpartygäste der Fitzgeralds.

Was sie teilten, war ihre Weltsicht: Das Leben war eine Bühne und sie inszenierten sich mit jedem Atemzug.  Sie waren geltungssüchtig, egozentrisch, rücksichtslos. Und sie tranken nicht: sie soffen. Sie beleidigten ihre Freunde, randalierten in Hotels, bis sie rausgeschmissen wurden, waren charmant, schön, intelligent, talentiert, neugierig, lebenshungrig bis zum ausbrechenden Wahnsinn.

Eines hatte Scott seiner Frau voraus: Scott konnte sich disziplinieren und er schrieb ernsthaft  und hingebungsvoll, ständig bemüht, sich zu verbessern. Diese Ernsthaftigkeit ließ er auch seinem Freund Ernest Hemingway angedeihen, als dieser ihm ein Manuskript zur Beurteilung schickte: Scott hatte etliche Anmerkungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge für Hemingway. Der schrieb ihm beleidigt zurück:

„Leck mich am Arsch!“

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Literatur:

Karl, Michaela: Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals, btb-Verlag, München, 2011

Marko, Gerda (Hrsg.), Schreibende Paare, Suhrkamp, Frankfurt, 1998

http://www.deutschlandfunkkultur.de,  Glamouröser Untergang und Buchbesprechungen, abgerufen 28.5.2017

 

 

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2 Gedanken zu “Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals …

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