Am liebsten Gin – pur

Was für eine Zeit! Was für zwei Leben! Was für ein albtraumhaftes Paar:

Scott Fitzgerald und Zelda Sayre.

Eine erste schicksalhafte Begegnung ließ beide für den Rest ihres Lebens nie mehr zur Ruhe kommen. Sie waren Kinder der „Roaring Twenties“ und sie begannen ihr gemeinsames Leben in New York im Jahr 1920.

Roaring 20'sEs war eine Zeit der Befreiung der Frauen, die Röcke wurden kürzer und endeten – skandalös! – schon über dem Knie. Auch die Haare kamen unter die Schere und die Frisur endete oft in dem klassischen Bob, der auch in den 2000er Jahren immer wieder ein come back erlebt. Die jungen Frauen rauchten öffentlich und gönnten sich sexuelle Freizügigkeiten. Sie trugen Make-up, Lippenstift und betonten ihre Augen mit Eylinern und Lidschatten.

Jazz war angesagt in jeder Bar in Manhattan, überall schallte live Musik aus den Türen – und der Alkohol floß reichlich. Auch und gerade in der Zeit der Prohibition.

Der Freiheitsdrang der jungen Frauen – die gerade dem Backfischalter entwachsen, aber noch nicht ERwachsen waren- war unendlich. Sie lebten schnell, risikoreich und es gab nur ein Motto: Volle Kraft voraus!

Und  was hat dieser Ausflug in die Zwanziger mit Fitzgerald und seiner Frau Zelda zu tun? Alles! Fitzgerald nannte diese Art Frau „Flapper Girl“. Seine Frau war die Ikone, das IT-Girl der Flapper Girls: Unbändiger Freiheitsdrang, Klug, Egomanisch, Regellos.

Zelda war ein Wildpferd mitten in New York.

Ruhe, bitte
Scott Fitzgerald war häufiger Gast der „round table Gespräche“ im Algonquin Hotel. Manhattan (s. Foto oben)

Fitzgerald schrieb nur über Dinge, die er selbst erlebt, erfahren und erfühlt hatte – und er lebte mit seinem Alter Ego Zelda genau in dieser Zeit. Wenige Wochen bevor er Zelda heiratete, erschien sein erstes Buch, das in die amerikanische Gesellschaft einschlug wie ein Blitz.

Bevor der Erfolg ihn umfing wie ein warmer Mantel, tapezierte er die Wände seines Zimmers mit 122 Absagen verschiedener Verlage, die seine Kurzgeschichten und Erzählungen ablehnten.

Denn Zelda, umschwärmte Schönheit und wohlhabende, verwöhnte Tochter eines Südstaaten Richters aus Alabama, wollte Scott nur heiraten, wenn er ein berühmter und wohlhabender Schriftsteller sein würde … das war ein gewaltiger Erfolgsdruck für Scott Fitzgerald. Er wußte, dass er sie für immer verliert, wenn er weiter mit Absagen der Verleger seine schäbige Behausung tapezieren müsste.

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F. Scott Fitzgerald, 1928. Hier als Juror bei einem Schönheitswettbewerb für Seifen – er brauchte dringend Dollars. Foto: Diogenes Archiv

Doch eines Tages war es soweit: Scott bekommt Nachricht vom renommierten Scribner Verlag, 1846 gegründet, und Scott hatte Glück: This side of paradise (Diesseits vom Paradies) wurde nach bedeutendem Einsatz eines Lektors des Verlags endlich angenommen. Maxwell Perkins hatte Fitzgerald „entdeckt“ und wurde lebenslang sein  Mentor.

Am 16. September 1920 klingelte der Briefträger an Fitzgeralds Tür … und Fitzgerald schrieb in sein Tagebuch:

„…und ich kündigte noch am selben Tag , lief durch die Straßen und hielt Autos an, um es meinen Freunden und Bekannten zu erzählen: Mein Roman „Diesseits vom Paradies“ war zur Veröffentlichung angenommen worden. Diesseits Paradies

In jener Woche klingelte der Briefträger wieder und wieder an meiner Tür und ich zahlte meine entsetzlichen kleinen Schulden ab, kaufte mir einen Anzug und erwachte jeden Morgen mit einem Gefühl unbeschreiblicher Erhabenheit und Verheißung“.

(Fitzgerald: Früher Erfolg, Winterträume)

Mit der Veröffentlichung des Buches konnte er Zelda endlich heiraten.

Das Verhängnis begann: für beide.

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2 Gedanken zu “Am liebsten Gin – pur

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