Ich kann es nicht, aber ich mach’s

Wie oft hörst Du dir täglich Sätze an, die Du gar nicht hören willst? Unser Output ist riesig, inflationär oder ziellos: wenn wir mit Nachbarn reden, mit der Bäckersfrau, dem Busfahrer oder den Kollegen – wir plappern meist nutzloses Zeug.

Doch wenn wir schreiben, ja dann … dann verdichten wir Leben. Unser Leben. Gut, manchmal schreiben wir auch dann nur Belangloses. Aber wenn wir uns schon hinsetzen, mit Stift oder Papier, an die Tastatur, dann sind wir oft auf ein Thema konzentriert. Dann verdichten wir Träume oder die Realität. Und erleben sie noch einmal. Wir drücken uns aus, teilen uns mit. Schreiben ist persönlich, charakteristisch und so individuell, dass es sehr schwer ist, sich selbst untreu zu werden und zu schreiben, als wäre man ein anderer Mensch.

Wie stark dieser Drang ist zu schreiben, sich auszudrücken, mitzuteilen, das zeigt dieser Text hier:

Ein Suerg2

Er wurde vor vielen Jahren von einem kleinen Jungen geschrieben, der gerade 4 Monate lang in der ersten Klasse war. Er hatte eine Weihnachtsgeschichte in seinem kleinen Kopf und die mußte er aufschreiben. Sie war ihm so wichtig, dass er sich unglaublich angestrengt hat, so zu schreiben wie er die Laute in seinem Kopf hörte.

Übersetzung:

… und er schmückt einen Weihnachtsbaum. Viele Lichterketten und mit vielen Engeln. Es war schön. Er sah witzig aus mit einer Pudelmütze … Mitternacht mit dem Zwerg (Suerk) … und der kleine Zwerg war immer noch da …

Ein kleiner Zwerg schmückt einen Weihnachtsbaum, ist aufgeregt und freut sich sehr auf Weihnachten.

So ist es, wenn Schriftsteller eine Geschichte aufschreiben müssen. Sie lassen alles stehen und liegen und setzen sich hin und schreiben. Weil sie sonst gerade nichts anderes tun können und wollen. Weil es erfüllend ist.

Wir schreiben uns frei von Gedanken und Ideen.

Erst danach können wir wieder am äußeren Leben teilnehmen, wenn wir das innere Sein verlassen haben.

So, wie dieser kleine Junge keine Ruhe fand, bevor er seine Geschichte mitgeteilt hatte. Sie lebt jetzt für immer und ewig.

Es war seine erste eigene geschriebene Geschichte.

Aber nicht seine letzte.

 

 

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