Lassen Sie es schwimmen …

Sie war ständig pleite, hielt immer ein Cocktailglas in der Hand, wohnte lebenslang in Hotels, liebte Hunde, Männer und das Schreiben: Dorothy Parker (1893- 1967).

Sie war eine Autorin, die die schwierigen Künste der Satire, des Spotts und manchmal auch des Zynismus perfekt beherrschte. Sie war die legendäre Rezensentin, Kolumnenschreiberin und Short-Story Autorin und galt in den 20er Jahren als die „geistreichste Frau Amerikas“. Außerdem war Dotty Parker Amerikanerin, Jüdin und ungeheuer trinkfest – bis sie erstens am Alkohol und zweitens an Männern starb, die ihr Herz brachen. (Wer oder was zuerst da war, ist nicht genau feststellbar.)

Als Buch- und Theaterkritikerin für den New Yorker und Vanity fair erlebte sie eine große Zeit, die ihr allerdings nicht wenig Feinde einbrachte. Verständlich, wenn so was hier von ganz New York gelesen wurde:

Unglücklicherweise ist niemand eingeschritten und hat den irregeleiteten Autor dazu überredet, sein Manuskript in kleine Stücke zu zerreißen und sich wieder um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

Auch mutig waren diese Theaterkritiken:

Die einzige Sache, die ich an dem Stück „The Barrets of Wimpole Street“ nicht mochte, war das Stück.

Wäre die Hauptdarstellerin nicht durch eine glückliche Fügung des Schicksals von einem ihrer Mitspieler erwürgt worden … hätte ich mich zur Bühne vorgekämpft und die Sache selbst in die Hand genommen.

Mit Ironie und Satire die Leser einzufangen, ist eine verdammt schwere Aufgabe: Leser verstehen oft keine Ironie. Dotty Parker schaffte es, mit ihrer Schreibkunst die New Yorker zu begeistern. Zwischen Selbst- und Sozialsatire trafen ihre handfesten Sätze immer ins Schwarze und direkt in das Humorzentrum der Leser. Niemals war sie einfach nur albern oder böse. Intelligent-witzig, manchmal auch elegant, erweckte sie den Eindruck, dass es ihr vollständig gleichgültig war, was Leser von ihr dachten. Niemand blieb verschont vor ihrer spitzen Feder, die ihrer Zunge durchaus ebenbürtig war.

Über ein Buch mit Titel „Hapiness“ schrieb sie:

Als Begleitung für die Badewanne wird es nur von einer Quietscheente übertroffen. Man kann es in der Hand halten, ohne dass Muskulatur und Nerven ermüden. Man kann es auch ganz ordentlich auf dem Wasserhahn abstellen und man kann es auslesen, ehe das Wasser kalt ist. Wenn es dann den Abfluss hinunterschwimmt, auch gut, dann lassen Sie es schwimmen.

Dafür liebe ich sie, für diese Sätze. Und ich schätze sie dafür, dass sie sehr selten Satzverstärker brauchte: Denn die Ausrufezeichen (die sie geschickt nicht setzte), hätten ihre Aussagen eher geschwächt. Sie fand fast immer den perfekten musikalischen Rhythmus, der sich erst beim lauten Lesen zeigt.

Verneigung und Tusch für Dorothy Parker.

Ein Buch, das niemals durch den Abfluss verschwinden darf. Es ist großartig:

Zitate aus: Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber, Michaela Karl, Biografie Dorothy Parker, btb 74493.

 

3 Gedanken zu “Lassen Sie es schwimmen …

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